Verteidigungsstrategie

Aus verfahrenstechnischer Sicht gibt es kein noch so einfaches Strafverfahren, das angegangen werden kann, ohne zuvor mit dem Kunden eine Strategie entwickelt zu haben. Insbesondere bei komplexen Fällen macht eine gute Strategie den Unterschied (oft zwischen Freispruch und Verurteilung). 

 

Für die Entwicklung einer erfolgreichen Verfahrensstrategie ist die Mitwirkung des Mandanten und ggf. seines Teams sehr wichtig. 

 

  • Er muss zunächst an den Anwalt in aller Ausführlichkeit seine Version der Fakten schildern. Dann analysiert der Anwalt zusammen mit dem Kunden die Beweislage. Die belastenden Beweise werden den entlastenden gegenübergestellt. Dabei sehr wichtig ist nicht nur die bekannten Beweise zu berücksichtigen, sondern auch an alle vielleicht (noch) nicht vorhandenen, aber vorhersehbaren und auftreibbaren Beweise zu denken. Sehr wichtig ist es auch die Notwendigkeit der Einschaltung externer Berater (Parteigutachter) richtig einzuschätzen und bejahendenfalls die geeignetsten Gutachter zu beauftragen. In dieser Phase ist eine enge Zusammenarbeit mit dem Kunden und ggf. seinem Team unentbehrlich. In vielen Fällen ist das proaktive Handeln des Anwalts bei der Beweissammlung gefragt. Einerseits kann der erfahrene Anwalt selbst förmliche Ermittlungen durchführen, die im Prozess Beweiswert haben könnten, wenn sie bestimmten Voraussetzungen entsprechen. Andererseits, haben wir in mehreren Fällen mit deutschen und anderen ausländischen Mandanten wichtige entlastende Beweise im Ausland (z.B. bei dem Unternehmenssitz, bei der Buchhaltungsfirma des Unternehmens, bei den Vertragspartnern usw.) auffinden können, die in der Ermittlungsakte fehlten, da die Ermittler z.B. ihre Ermittlungen nur auf Italien beschränkt hatten. Wie wichtig dieses engagierte und proaktive Vorgehen des Anwalts sein kann, zeigt ein neulich abgeschlossener Fall, in dem ein deutscher Unternehmer wegen Bankrott angeklagt wurde. Er hat sich an uns am Ende der Ermittlungsphase gewandt, da er von seiner bisherigen Verteidigung nicht überzeugt war. Sein anfangs beauftragter Anwalt hatte den Abschluss der Ermittlungen tatenlos abgewartet und ihm dann den Abschluss eines Deals mit dem Staatsanwalt angeraten. Der Mandant hat sich entschlossen den Anwalt zu wechseln und hat uns als seine Verteidiger beauftragt. Nach einer intensiven Zusammenarbeit mit dem Mandanten und einer vertieften Auseinandersetzung mit den vorhandenen, aber auch mit den in der Ermittlungsakte fehlenden Beweisen, sowie Auftreiben der entsprechenden sich in Deutschland befindenden Beweisen, haben wir uns für eine Verteidigung im ordentlichen Strafverfahren entschieden (was das Deal, sowie die anderen Alternativverfahren ausschließt) nachdem der Staatsanwalt die Verfahrenseinstellung kategorisch abgelehnt hatte. Unser Mandant wurde am Ende der ersten Instanz nicht nur freigesprochen, sondern in der letzten Verhandlung, nach einer taktisch einwandfrei ausgeführten Angeklagten-Vernehmung und Kreuzverhör unserer Zeugen hat der Staatsanwalt selbst den Freispruch beantragt, was so gut wie nie vorkommt.

 

  • Aufgrund der Beweislage und einer Reihe weiterer Erwägungen, die einzellfallspezifisch einzustellen sind, muss der Anwalt eine sehr sorgfältige Einschätzung und Prognose aller Variablen vornehmen, die in der Prozessdynamik auftreten können. 

 

  • Mit Rücksicht auf die ersten zwei Punkte ein realistisches Ziel setzen und alles daran setzen es zu erreichen

 

  •  Eine grundlegende Bedeutung bei der Festlegung der Strategie hat die Entscheidung über die Verfahrensart. In der Strafprozessordnung sind zusätzlich zum ordentlichen Strafverfahren sechs alternative Verfahrensarten vorgesehen, die auf der Disposition des Angeklagten stehen. Jedes davon hat seine Charakteristiken und Besonderheiten und je nach Beweislage, sowie unter Berücksichtigung der möglichen Prozessentwicklungen und vorhersehbaren Risiken bietet Vorteile oder Nachteile für die Verteidigung. Mit der Wahl der geeignetsten Verfahrensart steht und fällt der Erfolg des Prozesses.

 

 

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